„Turner und Turnerinnen! Erscheint in Massen zu den Wettkämpfen und zur Einweihung
der ersten Turnhalle im Spreewaldbezirk. Es wird unser aller Bestreben sein, Euch
den Aufenthalt im schönen Briesen in jeder Weise so gemütlich und angenehm wie möglich
zu gestalten. Wir verbürgen uns für schöne und erhebende Stunden. – Fahnen undWimpel sind mitzubringen.“
So heißt es in einer Einladung des
Turnvereins „Frisch auf “ Briesen-
Spreewald e.V. für das Wochenende
vom 1. und 2. Juni 1929, die Andreas
Kuschan aus Striesow beim Hausbau auf
dem Dachboden fand.
Der schon 1912
gegründete, aber erst 1927 ins Vereinsregister
eingetragene Briesener Sportverein
hatte es geschafft, mit Energie, Hartnäckigkeit,
Risikofreude und geneigten
Sponsoren die erste Turnhalle auf dem
Lande in der damaligen Westlausitz zu
errichten.
Der Verein hatte im Sommer 1927 die
Zementwarenfabrik von Franz Lehnardt
für 1 500 Reichsmark (RM) sowie die
Feldbahn von der Fabrik zum Bahnhof
Briesen der Spreewaldbahn nebst zwei
Kipploren
für 500 Reichsmark gekauft.
Über das Gelände neben der Turnhalle
wurde ein Pachtvertrag mit dem Freiherrn
von Wackerbarth abgeschlossen.
Die Nähe zur Bahn war günstig. In
der Einladung zur Hallenweihe wurden
die Ankunfts- und Abfahrtzeiten
von Cottbus beziehungsweise Lübben
nach Briesen und zurück ausgewiesen.
Für manchen der Teilnehmer war wahrscheinlich nur durch die Bahn die
Möglichkeit gegeben, in kurzer Zeit und
bequem nach Briesen zum Wettkampf
zu kommen, denn weder die Zahl der
Fahrräder noch die der Autos lässt sich
mit heutigen Maßstäben messen.
In den Turnhallenbau flossen neben
den ungezählten freiwilligen Arbeitsstunden
der Briesener selbst private
Spenden, wie zum Beispiel von der Vereinsbrauerei
Cottbus, Mittel des Landkreises
(200 RM) und der Regierung in
Frankfurt/Oder (300 RM), aber auch
ein durch den Vereinsvorstand verbürgter
Kredit des Spar- und Darlehnskassen-
Vereins in Höhe von 5 000 RM. Die Niederlausitzer
Überlandzentrale baute, wie
Albert Slomke in seiner Schulchronik
berichtete, die Zuleitung von der Kolonie
bis zur Turnhalle kostenlos, so dass die
neue Turnhalle sogar mit elektrischem Licht versehen werden konnte.
Vorsitzender des Turnvereins war zu
jener Zeit Heinrich Jawerka. Heinrich
Kuschan war Kassenwart und Wilhelm
Schlodder Schriftführer.
Der Kreisausschuss
des Landkreises Cottbus hatte
vor Bewilligung der öffentlichen Gelder
einen Fragenkatalog nach Briesen geschickt.
So geht aus den Dokumenten
hervor, dass der Verein 1928 36 Mitglieder
hatte, darunter zwölf Jugendliche
bis 21 Jahren. Für fünf Jahre durfte der
Verein die Fläche pachtfrei nutzen. Die
Vereinsmitglieder trafen sich zweimal
wöchentlich zu Übungszwecken, wobei
durchschnittlich 20 bis 24 Turner
anwesend waren.
Da umfangreiche öffentliche Gelder
in den Turnhallenbau geflossen waren,
durfte die Briesener Schule die Halle
auch für den Schulsport nutzen – ein
Vorzug, den zu dieser Zeit kaum eine
andere Dorfschule genoß.
Das „Cottbuser Kreisblatt“ widmete
der Turnhalleneröffnung in Briesen
einen umfangreichen Bericht:
„Turnhallenweihe in Briesen, Briesen, 3. Juni.
Am Sonnabend und Sonntag feierte
der Turnverein ‚Frisch auf ‘ Briesen im
Spreewald e.V. das Fest seiner Turnhallenweihe,
verbunden mit gauoffenen
Wettkämpfen. Überaus zahlreich waren
aus dem gesamten Westlausitzgau
die Vereine zu dieser Einweihung der
ersten Turnhalle im Spreewaldbezirk
erschienen.
Am stärksten beteiligt war
der Turnverein Cottbus 61, der allein
über 40 Wettkämpfer entsandte. Vorangemeldet
waren insgesamt 180 Kämpfer,
von denen 150 erschienen waren. Das
Fest wurde am Vorabend durch einen
Zapfenstreich mit anschließendem
Kommers eingeleitet, wo neben turnerischen
und gymnastischen Übungen
auch Gesänge und Volkstänze aufgeführt
wurden.
Am Festtage begannen schon um
9 Uhr die Wettkämpfe. Als Leiter war
Turnlehrer Erich Janke, Cottbus 61, er
schienen. Während des Festzuges durch
das Dorf wurde am Kriegerdenkmal
zu Ehren der im Weltkrieg gefallenen
Turner ein Kranz niedergelegt. Die
eigentliche Weihe begann um 14 Uhr
und wurde durch den Gauvorsitzenden
Marby – Cottbus vorgenommen, der
dem Turnverein ‚Frisch auf ‘ Briesen
als dem ersten sich im Westlausitzgau
befindlichen ländlichen Verein, der eine
eigene Turnhalle besitzt, eine Auszeichnung
in Form einer Jahnplakette überreichte.
Leider wurden die Wettkämpfe
durch den einsetzenden Regen stark
behindert.“
Es folgten die einzelnen Wettkampfergebnisse.
Albert Slomke berichtete,
dass der Briesener Verein in den Einzelwettkämpfen
drei Siege errungen
hat. Die meisten Sieger kamen aus dem
Cottbuser Verein 61.
Als 1955 mit der Briesener Schule
auch eine neue moderne Schulturnhalle
eingeweiht werden konnte, hatte die alte
Halle ihre Funktion erfüllt. Sie diente
bis zur Wende noch als Lagerhaus und
wurde 1990 abgerissen.
Auf der Seite mit dem Bericht über das
Sportfest zur Einweihung der Briesener
Turnhalle gibt es
– ähnlich wie heute –
im
Nachrichtenteil zwei weitere Meldungen
zu diesem Tag:
Unglücksfall beim Sportfest.
Während der gestrigen Turnhallenweihe
ereignete sich in der Wettkämpferabteilung
für Kugelstoßen leider ein Unglücksfall.
Einen jungen Zuschauer aus Gulben,
der sich versehentlich ziemlich nahe an
die Wurfbahn heranwagte, traf eine zehn
Kilogramm schwere Kugel gegen den Kopf.
Er fiel besinnungslos zu Boden.
Das
herbeigerufene Krankenauto brachte den
Verletzten in das Cottbuser Krankenhaus.
Scheunenbrand
Am Sonntag Abend um 11 Uhr, als sich
fast das ganze Dorf auf dem Turnerball befand,
ertönte plötzlich Feueralarm.
Die
beiden Scheunen des Großbauern Wilh.
Chriske,
die nahe aneinander standen,
brannten lichterloh.
Die Briesener und
Striesower Feuerwehren konnten leider
nicht mehr viel helfen; die Scheunen
brannten völlig nieder
. Der Schaden ist
durch Versicherung gedeckt.
Man nimmt
Brandstiftung an.

Artikel aus dem "Stog - Der Schober"
Vielen Dank für freundliche Genehmigung
an Frau Dr. Edeltraud Radochla
www.radochla-ruben.de
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